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Für druckfähige Bilder bitte klicken. Credit Pressefotos: Markus Wustmann

"Oh, dieser Sound - Stars spielen Superpunk" (VÖ 6.5.11, CD/LP)

Superpunk erscheinen auf den ersten Blick nicht als ein typischer Kandidat für ein „Tribute“-Album. Schon die Bezeichnung klingt komisch, sie klingt nach normalen Rockbands, vor allem nach wahnsinnig erfolgreichen normalen Rockbands, aber wie soll man so eine Zusammenstellung sonst nennen? Und was ist eigentlich Erfolg?

Superpunk gründeten sich Mitte der 90er Jahre. Erklärtes Ziel der Band damals: auf Partys 60s-Musik spielen, „Louie Louie“, „You really got me“, „Money“ und sowas. Problem: Das klappte nicht so wie gedacht. Zu wenig Partys beziehungsweise zu wenig Einladungen zu solchen und zu „You really got me“ gleichzeitig Gitarre zu spielen und zu singen stellte sich als schwieriger heraus als gedacht. Da aber Lars Bulnheim an der einen Gitarre, Carsten Friedrichs an der anderen Gitarre und am Gesang, Thorsten Wegner an der Schießbude, Bassist Tim Jürgens (der 1996 Jan Müller von Tocotronic ersetzte) und Keyboarder Thies Mynther (der 1996 den Platz des berühmten Hamburger DJs  und Originals „Orgel Micha“ an den schwarzen als auch an den weißen Tasten übernahm) weiterhin musizieren wollten, begannen sie, sich eigene Songs auszudenken. Und was für welche: Schon auf ihrem 1999 erschienenen und von Bernd Begemann zu gleichen Teilen im Übungsraum und in Bernds „space age bachelor pad“ aufgenommenen Album „A bisserl was geht immer“ (erschienen bei dem Hamburger Krach-und Punk-Label Fidel Bastro) finden sich solche Klassiker wie „Matula hau mich raus“ oder „Die Axt im Walde“. 2001 erschien, nachdem Tim Jürgens „l'age d'or“-Labelchef Carol von Rautenkranz diesem zunächst ein Ohr abkaute und ihn sodann mit Spirituosen gefügig machte, auf Carols weltberühmtem Label das Album Wasser marsch!“. Mochte Carol den auf das Zusammentreffen mit Tim folgenden Kater auch verflucht haben: Die Veröffentlichung von „Wasser marsch!“ stellte sich als weiterer Geniestreich des Pinneberger Trüffelschweins heraus: Hierauf befinden sich solche Hits wie „Neue Zähne für meinen Bruder und mich“ oder „Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen“.  Es folgte 2003 das nicht weniger schmissige Album „Einmal Superpunk, bitte!“ und 2005 das Live-Album Können Sie das groß machen, bitte?!“, bevor Superpunk 2008 bei Tapete Records „Why not?“ herausbrachten und 2010 ihr bisher letztes Studioalbum „Die Seele des Menschen unter Superpunk“. Wir sehen: Aus der verhinderten Partykapelle wurde eine Band, die regelmäßig auf den coolsten Labels des Landes Platten veröffentlicht. Ein schöner Erfolg!

Halten wir fest: Superpunk sind also eine der besten Bands des Planeten, ihre Songs legendär, ihre Konzerte ein einziges Fest. Warum in Gottes Namen sind Superpunk dann nicht Stammgast in den Hitparaden? Eine Frage, die sich beispielsweise Lou Reed hinsichtlich seiner Band Velvet Underground auch das ein oder andere Mal gestellt haben dürfte. Die Welt ist nun mal, wie sie ist. Auf jeden Fall scheint es Bands zu geben, denen mit den gängigen Erfolgsparametern nicht beizukommen ist. Vielleicht sind Superpunk auch nur ein weiteres Indiz dafür, dass Qualität nicht unbedingt mit Quantität Hand in Hand geht. Die Qualität von Superpunk haben auf jeden Fall die auf „Oh! dieser Sound – Stars spielen Superpunk“ vertretenen Bands und Künstler entdeckt und machen Superpunk das größte Kompliment, das man einem Musikerkollegen machen kann: Sie interpretieren ihre Songs.

"Superpunk spielen Andreas + Bernd" (VÖ 6.5.11, 7'' Vinyl Single)

Hamburg, Sommer 1997. Heinz Karmers Tanzcafé. Ein langer Tresen an der Budapester Straße. Lauwarmes Pilsbier. Zigarettenqualm, an dem man sich anlehnen kann. Der Anblick des Herrenklos ist  eine Aufforderung, nach Hause zu gehen. Unter den Wegelagerern, die sich hier bei Wodka-Kirsch und Kobra an der Bar der stoischen Maike drängeln: Andreas Dorau, linkisch grinsend, charmant laut, ein Paradiesvogel. Der deutsche Weltmann, der in Schwabing, in Ehrenfeld, in St.Pauli und Kreuzberg die Stehausschänke zum Wippen bringt. »Girls in Love« und »So ist das nun mal« sind gerade Hits. Die beste Discomusik, die seit gut 20 Jahren in Deutschland produziert wurde.

Bernd Begemann, im Anzug und im Bademantel gleichermaßen elegant, nach der Auflösung von »Die Antwort« längst eine florierende One-Man-Show. Der Mann aus Rothenburgsort ist mehr Underground als der ganze wogende Mob zusammen, der die Bar hier bevölkert. Doch Begemann fürchtet sich auch nicht vor dem roten Teppich, und niemand ist so groß darin, moralinsaure Besserwisserei wegzulächeln wie er. Auch jeden Abend im »Karmers« hart am Brett: Fünf noch halbwegs ansehnliche »Top Old Boys«. Ihr Timing ist nicht präzise, der Mut zum Einreiher längst nicht so ausgeprägt. Doch das schummerige Quintett, die jungen Superpunk, sind gerade im Begriff, einen bunten Strauß fluffiger Melodien zu binden. Im feuchten Bunker von Eimsbüttel spielen sie in diesen Tagen das erste Mal spätere Indie-Evergreens wie »Eric Cantona« oder »Matula«.

Hamburg, Winter 2011. Ein Studio in Altona, 760 Meter Luftlinie von dort, wo einst Heinz Karmers Tanzcafé stand. Wo damals die Szene soff, ist nun ein Parkplatz. Fünf »Top Old Daddys« haben das mit dem Beat jetzt besser im Griff. Auch im Anzug inzwischen selbstbewusst. Fünf Studioalben und ein paar Konzerte haben dafür gesorgt, dass Superpunk ihr Credo »Schrei, schrei, schergel, schergel« bis an die Grenzen zur Perfektion verfeinerten. Jetzt können sie sogar Musik von anderen spielen, und man erkennt, was sie sich dabei gedacht haben.

Die Schnäpse von einst sind nicht umsonst gewesen. Begemann hat erst letztes Jahr wieder ein Album – das zweite nach dem Superpunk-Debüt »A bisserl was geht immer« (1999) – mit der Band produziert: »Die Seele des Menschen unter Superpunk«. Dorau ditscht von Zeit zu Zeit wie ein Flummi hinein in den Alltag der Kollegen. Es wird also Zeit, sich bei den alten Weggefährten mal für die gute Laune zu bedanken, die sie nun schon seit Jahrzehnten machen. Stellvertretend für die vielen Freunde, die sich die Mühe gemacht haben, einen Superpunk-Song für das neue Tribute-Album »Oh dieser Sound!« (VÖ 6. Mai 2011) aufzunehmen, machen staubige Quints einen musikalischen Diener: Die »Top Old Boys« hämmern zwei tanzbare Salutschüsse in den Harddisk-Rekorder. Das flirrend leichte »Komm wieder«, das 1994 aus den Tiefen der Musikbox des Andreas Dorau wie ein feister Derwisch entwich, um die Tanzsäle der nördlichen Hemisphäre zum Brodeln zu bringen, bekommt eine Bearbeitung, die vielleicht nicht so juvenil wie das Original klingt, aber auch nicht unbedingt für eingeschlafene Füße sorgt. Vom väterlichen Freund, Bernd Begemann, schnappen sich Superpunk das frühe Powerpop-Epos »Judith, mach Deinen Abschluss« aus der Zeit von »Die Antwort« und überziehen das studentische Flair von Elvis Costello mit dem Morast, in dem Jesus & Mary Chain wateten. Natürlich alles mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Sie haben sich stets Mühe gegeben. Und wie Lars Bulnheim nicht müde wird zu betonen: »Superpunk sollte auch nie in Arbeit ausarten«. Deshalb hören Sie zu, wenn Superpunk 15 Jahre nach ihrer Gründung zwei glorreichen Himmelhunden auf dem Weg zur Hölle sagen: Noch so’n Spruch: Kieferbruch. Noch so’n Ding: Augenring! Lieber Andreas, lieber Bernd, thank you for the music! Eure Top Old Boys!


Tracklist Single:
1. Komm wieder (im Original von Andreas Dorau)
2. Judith, mach deinen Abschluss (im Original von Bernd Begemann)

Oh dieser Sound - Stars spielen Superpunk (CD/LP)

Konzerttickets für die Termine im Mai und Juni

Superpunk spielen Andreas + Bernd (7" Vinyl)

Die Seele des Menschen unter Superpunk (CD/LP)

Das waren Mods (7" Single)

Why Not? (CD Digipak/LP)

A bisserl was geht immer (Fidel Bastro, 1999)
Wasser Marsch! (L’Age D’or, 2001)
Einmal Superpunk, bitte! (L’Age D’or, 2004)
Können Sie das groß machen, bitte?! (L’Age D’or, 2005)
Why Not? (tapete records, 2008)
Das waren Mods 7'' Single (tapete records, 2008)
Die Seele des Menschen unter Superpunk (tapete records, 2010)
Oh, dieser Sound - Stars spielen Superpunk (tapete records, 2011)