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Super Fast Rock'n'Roll Played Slow

Superfast Rock 'n Roll played slow und weniger ist mehr. Frei nach diesem Motto erscheint im Frühjahr 2007 das dritte Album von Tess Wiley. In den drei Jahren nach Erscheinen ihres Debut Albums "Not Quite Me" auf Tapete Records hat sich einiges getan im Leben und in der Musik der gebürtigen Texanerin. Das wohl einschneidenste Ereignis privater Natur war die Geburt ihres Sohnes Henry Fletcher im April 2005. Schnell musste Tess feststellen, dass Mutter zu sein und gleichzeitig als Musikerin Produktivität an den Tag zu legen ungefähr so miteinander zu vereinbaren sind wie Hartz IV und eine Nacht im Hilton - man kommt einfach nicht dazu.  

Musikalisch war für Tess deshalb "downsizing" angesagt. Sie entschied sich dafür, ihre neue Platte mit dem Arbeitstitel "Superfast Rock 'n Roll Played Slow" ohne feste Band einzuspielen und so entstanden die meisten Aufnahmen zur neuen Platte irgendwo zwischen Wäschetrockner, Plattenregal und Wickeltisch in ihrer Wohnung im hessischen Giessen. Ohne wirkliches Studio Equipment musste Tess oft besonders kreativ sein wenn es darum ging beispielsweise Beats für den Song „Raise Your Hand“ einzuspielen und so kann man nun auf ihrer neuen Platte hören, wie sich ein Faustschlag auf einen Vitra Hartschalensessel in eine Bass Drum, ein Weinglas in ein Glockenspiel oder ein Schlüsselbund und eine Kaffeetasse in eine Snare Drum verwandeln. Auch zu manchen Spielsachen ihres Sohnes wurde gegriffen, als es darauf ankam, den richtigen Klang zu erzeugen. Tess nahm sich für diese Herangehensweise ein Beispiel an ihrem Mann Christian Roth (Fotograf und kreativer Kopf von Hessenmob Skateboards), der ihr immer wieder beweist, dass mangelnde Mittel ein Ziel nicht unerreichbar machen können, wenn man kreativ ist. Die Zusammenarbeit der Beiden, die sich 1994 bei einem Festival in Holland kennengelernt haben, bei dem Tess mit der Band Sixpence None the Richer spielte, hat auf „Superfast Rock’n Roll Played Slow“ sogar noch ganz neue Formen angenommen: das Lied „Anette“ wurde ursprünglich von Christian aus der Sicht eines Mannes komponiert, durfte aber von seiner Frau ein bisschen umgeschrieben werden und wurde dadurch ein Gassenhauer bei Tess’ sonst eher ruhigen und melancholischen Konzerten.

Die Weite ihres Heimatlandes Amerika kann man auf „Superfast Rock n Roll Played Slow“  regelrecht spüren. Schliesst man bei Songs wie „Slow“ oder „Crying For You“ die Augen, so hört man mitnichten den „Sound of Mittelhessen“ sondern etwas, von dem man sich vorstellen könnte, dass es Willie Nelson auf der Veranda seiner Farm hört, während hinter den texanischen Hügelketten im Westen blutorangenrot die Sonne untergeht. Musikalisch hat Tess auf diesem dritten Album ihre Heimat (wieder) gefunden - irgendwo zwischen Folk und Country, mitten in Americana.

Durch Improvisation und Home-Recording Charme ist das neue Album von Tess Wiley intimer geworden. Privater. Näher. Und gerade darin liegt ihre Stärke. Tess' Musik erzählt unumwunden von den grossen und kleinen Gefühlen, die das Leben so mit sich bringt und ihre melancholische Stimme vermag immer wieder diese manchmal zerbrechlichen Gemütszustände zu artikulieren ohne in kitschige Klischees zu verfallen. Wenn Tess Wiley leise ihre Stimme erhebt, flüstern ihre Melodien die Lieder, die wir alle nur zu gut kennen und von denen wir immer dachten, wir hätten ihren Text für immer vergessen.

Diskographie

2004 Not Quite Me
2007 Superfast Rock'n'Roll Played Slow

Super Fast Rock'n'Roll Played Slow (CD Digipak)

Not Quite Me (CD)