1000 Robota

ENDE (VÖ: 06.04.2021)

1000 Robota, das waren Sebastian Muxfeldt, Jonas Hinnerkort und Anton Spielmann. 1000 Robota, das sind Sebastian Muxfeldt, Jonas Hinnerkort und Anton Spielmann. Alles wie früher, nur heute noch fetter.

Wir haben in den Nullerjahren zwei Alben veröffentlicht. Das erste kam 2008 bei Tapete Records raus. Das zweite wurde bei Buback Tonträger veröffentlicht. (Abgeworben vom in die Band verliebten Malerfürsten Daniel Richter)

Absurderweise ging ja alles für uns in England los. Bevor in Deutschland überhaupt irgendwer von uns wusste. Der NME wurde via Myspace auf uns aufmerksam und schrieb einen Artikel. Kurz darauf fuhren wir rüber, spielten unsere überhaupt ersten und bereits im Vorfeld ausverkauften Shows in London. Deutsche Kritiker*innen und Intellektuelle wurden daraufhin auch aufmerksam und fingen an, uns zu mögen, zu kritisieren, ja sogar zu hassen. Gut besprochen, polarisierten wir wie keine andere Band, so sagte man uns. Artikel erschienen in Zeitungen und Magazinen, von denen wir damals, als die Teenager, die wir ja noch waren, noch nie gehört hatten. Dieser Spagat und das Jonglieren zwischen Pop, Trash und (Hoch-)Kultur, selten und dennoch möglich, fühlte sich divers und richtig an. Sogar Stefan Raab wollte uns auf seine Couch holen. Haben wir damals aber nicht gemacht. 

Rene Polleschs Anfrage, ein Stück („Schmeiß dein Ego weg!“) für die Volksbühne in Berlin nach dem gleichnamigen Song von uns zu benennen, schien da schon interessanter. Andere Stadttheater riefen an, wollten auch Texte und Musik. Ein dokumentarischer Film wurde über uns gedreht. (Die Doku „Utopia Ltd.“ eröffnete 2011 die Berlinale in der Sektion Perspektive Deutsches Kino und erhielt das Prädikat: Wertvoll).

Rückblickend kann man sagen: Wir saßen mit unserer eigenen und leichtfüßigen Art und unserem hungrigen Blick auf die Welt zwischen den Stühlen. Doch was auf Dauer weh tat und uns so befremdlich schien, war die humorlose Ernsthaftigkeit der Anfeindung von außen, die vermehrt Themenschwerpunkt wurde und unser Schaffen und unsere Entwicklung als Musiker und Künstler einengte. Klar, so etwas ist keine Einbahnstraße. Doch für uns bedeutet Pop und Punk eben: Wild und angreifbar, pur und wahrhaftig, intuitiv und selbst gemacht zu bleiben. Dazu kam ein Aspekt, den wenige kannten, da Anton ihn aus Scham versteckte: seine Herkunft und die schweren Jahre, die seine Eltern hier in Deutschland, als sie aus Russland emigrierten, erfahren hatten. Den Rest könnt ihr googlen. Oder uns zum Gespräch einladen, Interviews und so. Das geht jetzt wieder. Man hat uns nämlich wieder vergessen. Alles auf Null. Das ist sehr beruhigend irgendwie.

Als uns Tapete Records damals anschrieben, gab es noch Myspace. Instagram, das ganze Zeug, weit entfernt. Menschen kauften und glaubten immer noch an Tonträger. Streaming? Spotify? Playlists? Ungeklärt. Illegal. Irgendwie war uns klar, der Markt ist Schrott. Das fühlte sich nicht gut an. Wir suchten andere Wege mit und jenseits der Musik. 2020 ist es passiert. Nein, wir meinen nicht Corona. Gunther Buskies von Tapete Records rief wieder an. Sprach sein Interesse aus. Wir telefonierten untereinander. Dann folgte der Proberaum.

Musik-Polizisten und andere Fanatiker horchten auf. Ob es stimmen würde. Wir würden wieder aufnehmen, ein Album vorbereiten? Andere fragten auch, warum dies alles so lange gedauert hat, warum wir 10 Jahre lang nichts gemacht haben.

1) Wir haben nicht 10 Jahre nichts gemacht.

2) Wären wir ein Amazon Paket mit Sendungsnummer, eine Pizza oder das neuste iPhone, würde uns eine Antwort vielleicht leichter fallen. Doch wir sind keine Dienstleister, kein Service und haben auch keinen Support, bei dem du dich 24h beschweren kannst. Brauchen wir auch nicht. Wir sind Künstler und diese Künstler haben eine Band. Die Band heißt 1000 Robota: DEUTSCHLANDS WAHRHAFTIGSTE ENTTÄUSCHER.

Was du von uns bekommst, ist von uns gemacht. Wir haben es angebaut, gegossen und gekocht und wenn es fertig ist, wird es dir von uns serviert. Im April kommt nach 10 Jahren nun ein neues Lied heraus. Und ja, Cover-Artwork, Video, die gesamte Produktion, alles selbst und von uns gemacht. Es heißt ENDE und ist unser Anfang. Ein hoffnungsschweres poetisches Rauschen. Ein Album wird folgen. Wenn die Maßnahmen es erlauben. Wir gehen dann jetzt mal Hände waschen, denn ganz bald schon wird wieder abgeklatscht.

- 1000 Robota