"Zensur & Zensur" (VÖ: 24.Januar 2020)

Nach nunmehr 40 Jahren kommt es zur Wiederauflage des legendären Albums „Zensur & Zensur“ von Deutschlands erster Punkband MALE! Es waren Jahre, da alles neu, alles möglich war. Zwischen 1977 und 1979 entwickelte sich in Düsseldorf eine Punkszene, die ihresgleichen suchte, und MALE schufen ein zeitloses Stück deutscher Musikgeschichte.

1977 fühlte ich mich zu diesem neuen Ding Punk unwiderstehlich hingezogen, und da Bilk eine der Keimzellen der Bewegung war, hatte ich das Glück, alles hautnah mitzuerleben. Ich hatte sie schon hier und da gesehen, schlaksige Typen mit stacheligen Haaren, die in langen Mänteln durchs Viertel schlurften. Mundpropaganda brachte mich in eine Aula, und MALE waren zwischen all den langweiligen Stones-Coverbands eine echte Offenbarung! Laut, rotzig, neu, anders! Ein Gig, der mit dem Verbrennen der deutschen Fahne in ein zu der Zeit spektakuläres Ende mündete.

Ich habe mich dann als Roadie angedient, es folgten Gigs in und um Düsseldorf, MALE machten sich einen Namen über Düsseldorf hinaus, es folgte ein „Sounds“-Bericht, für den A. Hilsberg und S. Schwabroh extra aus Hamburg angereist kamen. Spätestens zu der Zeit wurde auch Andy „Campino“ Frege auf die Band aufmerksam und Hardcore-Fan.

Jetzt gab es nicht nur die Innenstadtfront, MALE wurden zur Eröffnung des SO36 nach Berlin geladen, wo sie mit den Lokalmatadoren von PVC und Din A Testbild sowie Ffurs und nunmehr Mittagspause spielten. Auf dem dort entstandenen Sampler sind sie mit „Polizei“ vertreten. Es folgte das „Into the Future“-Festival in Hamburg, wo sie neben Mittagspause, Kleenex und anderen dermaßen auftrumpften, dass sie beim nachfolgenden „In die Zukunft“-Festival schon Headliner waren. Auch hier wurden Live-Alben veröffentlicht.

In Düsseldorf waren es die Betreiber eines Import-Plattenladens, die MALE erst ihren Keller als Proberaum zur Verfügung stellten, um kurz darauf das MALE-Album zu produzieren. Ältere Stücke und ein paar neue Songs ergaben ein Album der Extraklasse. Stücke wie „kh3“, wo der Text mit der Cut-up-Methode erstellt wurde, „Ein Tag Düsseldorf“ mit dem hypnotischen Intro oder das kultige „Zensur & Zensur“.

Die Zeit rannte, und dass MALE schließlich The Clash auf ihrer „London Calling“-Tour begleiteten, darf als Höhepunkt gesehen werden. Als die Weltkriegssirene den neuen Song „Ich hör schon die Sirenen“ einleitete, hörten auch Kosmo Vinyl, Clashroadie, Joe Strummer & Mick Jones genau hin beziehungsweise kamen sie, um MALE zu hören und zu sehen. Es war ein denkwürdiger Abend in der Phillipshalle, und MALE waren mehr als ein Einheizer. „Ich hör schon die Sirenen“ sollte auch die nächste Single auf Rondo sein, aber unglücklicherweise hatte Franz Bielmeier andere Vorstellungen, was das Rondo-Œuvre anging, und MALE mussten mit „Clever & Smart“ einen Kompromiss eingehen, der ihnen nicht wirklich guttat.

Jürgen Engler konzentrierte sich nach der Umbenennung in „Vorsprung“ dann auch ziemlich schnell auf die Krupps, wobei MALE ihm in den folgenden Jahren mit neuen Songs, Gigs hier und da, dann und wann immer eine Herzensangelegenheit blieb. Und nach wie vor treffen sich Alt und Jung zum Pogo, wenn es heißt: Großeinsatz!

Wolf Lauenroth (Dieter Zensur)

 

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